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Œuvre


Gesamtwerk


Überblick

Hieronymus Bosch arbeitete zusammen mit seinem Vater, seinen beiden Brüdern und noch mindestens zwei weiteren Malern in einer Werkstattgemeinschaft. Die beträchtlichen Qualitätsunterschiede, die selbst innerhalb eines Werkes zu beobachten sind, deuten darauf hin, dass oft mehrere Maler an ein- und demselben Bild gearbeitet haben müssen1. Keines der Werke ist datiert und die wenigen bekannten Aufträge geben keine Auskunft darüber, auf welches Bild sie sich beziehen. Boschs Werke waren bereits im 16. Jahrhundert so populär, dass sie oft kopiert, imitiert und verfälscht wurden, weshalb auch die Signatur von Bosch keine Garantie dafür gibt, dass das entsprechende Werk auch tatsächlich von ihm stammt2. Dazu kommt, dass es in jener Zeit noch keine Kunstdokumentationen gab, welche das Werk Boschs eindeutig identifiziert hätten.
Die Ordnung von Boschs Œuvre gestaltete sich deshalb ausserordentlich schwer und musste immer wieder korrigiert werden. Seit der Studie von Unverfehrt von 19803 herrscht jedoch Konsens darüber, dass das Werk von Hieronymus Bosch 25 Gemälde und 8 Zeichnungen umfasst4.
Da über die Datierung der Werke die unterschiedlichsten Meinungen bestehen, werden wir hier nach der dendrochronologischen Methode5 ordnen. Hierbei kann anhand der Holzringe auf den Tafeln das Alter des Holzes auf maximal neun Jahre genau festgestellt werden. Vor dem Bemalen muss das Holz mindestens zwei Jahre zum Trocknen gelagert werden. Daraus geht hervor: wenn der letzte Jahresring zum Beispiel auf 1490 datierbar ist, dann kann die entsprechende Tafel nicht vor 1501 bemalt worden sein.
Nachfolgend die Liste von Boschs Werken nach der dendrochronologischen Methode6:
  • Der Garten der Lüste, Kopie des linken Flügels, Escorial: 1449
  • Der Garten der Lüste, Madrid: 1460
  • Die Anbetung der Könige, New York: 1468
  • Ecce Homo, Frankfurt; 1470
  • Johannes der Täufer, Madrid: 1474
  • Das Jüngste Gericht, Wien: 1476
  • Hl. Hieronymus, Gent:1476
  • Kreuzigung mit Stifter, Brüssel: 1477
  • Die Dornenkrönung, London: 1479
  • Das Jüngste Gericht, Brügge: 1480
  • Visionen aus dem Jenseits, Venedig: 1484
  • Das Narrenschiff, Paris: 1485
  • Der Eremitenaltar, Venedig: 1487
  • Der Hausierer, Rotterdam: 1487
  • Der Tod des Geizhalses, Washington: 1488
  • Ecce Homo, Boston: 1489
  • Johannes auf Patmos, Berlin: 1489
  • Hl. Christophorus, Rotterdam: 1490
  • Die gekreuzigte Märtyrerin, Venedig: 1491
  • Die Kreuztragung, Escorial: 1492
  • Die Anbetung der Könige, Philadelphia:1493
  • Madonna mit Kind, Privatsammlung: 1494
  • Die Versuchung des Heiligen Antonius, Lissabon: 1495
  • Der Heuwagen, Escorial: 1498
  • Triptychon mit den Prüfungen Hiobs, Brügge: 1501
  • Die Sintflut, Rotterdam: 1508
  • Der Heuwagen, Madrid: 1510
  • Die Dornenkrönung, Escorial: 1527
  • Ecce Homo, Philadelphia: 1557
  • Die Allegorie der Geier, New Haven: bildete ursprünglich den unteren Teil des Narrenschiffes
  • Die Anbetung der Könige, Madrid: aus technischen Gründen nicht untersucht
  • Die sieben Todsünden, Madrid: aus technischen Gründen nicht untersucht
  • Die Kreuztragung, Gent und Wien: aus technischen Gründen nicht untersucht

Nicht aufgeführt wurden:
  • Das Jüngste Gericht, München: 1442
  • Das Steinschneiden, Madrid: 1488
  • Der Gaukler, St-Germain-en-Layt: 1496
  • Die Hochzeit zu Kana, Rotterdam: 1555
  • Die Geburt Christi, Köln: 1562
weil Marijnissen diese Werke als zweifelhafte Originale betrachtete (1987).

Aus den Ergebnissen dieser Methode lässt sich erkennen, dass Bosch einige der ihm zugeschriebenen Werke gar nicht gemalt haben kann.


Technik, Stil, Motive

Boschs Werke fallen auf durch intensive Farben und Tiefenwirkung. Seine Technik war herausragend und auf höchstem Niveau für die damalige Zeit.
Er fertigte seine Werke nach einem vorhergehend genau festgelegten Plan. Die zu bemalende Fläche wurde von ihm zuerst bearbeitet. Oft bestrich er sie vorgängig mit Leim und/oder er machte mehrere Grundierungen, indem er die Farbe Schicht für Schicht auftrug. Darüber trug er eine Politur auf und eine Art Schutzglasur. Diese Technik ist verantwortlich für die Leuchtkraft der Farben und den Eindruck der Tiefe, die Boschs Bilder auch heute noch vermitteln7.
Die Gemälde von Hieronymus Bosch bestechen durch ihre unendlich vielen Details, die den Betrachter immer wieder aufs Neue faszinieren und fast scheint es, als ob die „Entdeckungsreise“ kein Ende nähme.
Auffällig sind seine immer wiederkehrenden Motive wie Vögel, Fische oder fischähnliche Kreaturen; oft sind auch Hirsche, Schweine, Hunde und Nagetiere zu sehen. Erwähnenswert sind auch die häufig auftauchenden, seltsamen Gestalten - eine Mischung zwischen Mensch und Tier. Aber auch die Natur faszinierte Bosch immer wieder, denn in seinen Landschaften wimmelt es von wundersamen Pflanzen und Früchten8. Was auf den ersten Blick als künstlerische Laune abgetan werden kann, erweist sich aber bei gründlicher Kenntnis der christlichen Ikonographie9,10 als eine Fundgrube von immer wieder neuen Hinweisen auf die Lebens- und Denkart der Menschen jener Zeit.
Hieronymus Bosch malte moralische Allegorien, bildliche Darstellungen der damals für real existierend gehaltenen Ideen vom Wesen der Menschen, von Dämonen und Geistern und der ewigen Verdammnis. Er war ein Meister in der Wiedergabe von Posen, Bewegungen und Gesichtsausdrücken seiner meist mageren und blutarmen, oft auch nackten Figuren11.
Dahinter stand der Mensch Hieronymus Bosch: ein kritischer, manchmal auch selbstkritischer Beobachter seiner Zeit, der nicht nur über ein fundiertes Wissen verfügte und sich ständig weiterbildete, sondern seine Erkenntnisse auf geniale Art und Weise in der Bildsprache und Themenwahl seiner Werke zu verarbeiten wusste.



1 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet, Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 85
2 Ebd., S. 86
3 Ebd., S. 85
4 www.boschuniverse.org
5 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet, Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 87
6 Ebd., S. 88
7 www.boschuniverse.org
8 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet, Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 102
9 A. Butzkamm, Christliche Ikonographie – Zum Verstehen mittelalterlicher Kunst, Bonifatius Verlag Paderborn
10 E. Kirschbaum: Lexikon der christlichen Ikonographie, Herder Verlag Freiburg i.B., 1994
11 www.arianamania.de/maler/b/bosch/bosch.php